Magersucht (Anorexia Nervosa)

Vorwort

Den vorliegenden Text veröffentlichte ich zum ersten Mal im Mai 2003 auf meiner damaligen Website, die ich schon lange nicht mehr betreibe. Ich fertigte Ihn im Rahmen meiner damaligen Therapieausbildung an, weil ich in meinem privaten Umfeld mit Magersucht zu tun hatte. Bei der Durchsicht meines Rechners fiel er mir wieder in die Hände. Meine Texte schrieb ich meist als Info oder Hilfe für andere und dabei vergaß ich auf wissenschaftliche Korrektheit, wie richtige Zitierweise zu achten.

Da ich im Text kaum Quellenangaben hatte, sondern nur am Schluss des Dokuments, wollte ich überprüfen, ob ich evtl. den einen oder anderen Text vergessen hatte als Zitat zu kennzeichnen und natürlich auch, was ich von welcher Quelle nahm. Leider gibt es die ursprünglichen Internetquellen nicht mehr, doch stieß ich auf andere Quellen mit sehr ähnlichen Formulierungen wie in meinem Text. Da mein Ursprungstext älter ist, haben sie entweder von mir oder von einer gemeinsamen Quelle, die ich nicht mehr finde, abgeschrieben. Das ist sehr irritierend.

Sollte also jemand einen Text von sich im folgenden erkennen, den ich nicht als Zitat kennzeichnete, so bitte ich dies zu entschuldigen und mir sofort zu melden. Ich werde es dann umgehend ändern, bzw. die korrekten Quellenangaben machen.

Allgemeines

Das Krankheitsbild der Anorexia Nervosa ist erstmals bereits 1873 beschrieben worden. Diese Diagnose wird aber erst seit den 70er Jahren häufiger gestellt, wobei nicht eindeutig gesagt werden kann, ob die Krankheit in der heutigen Gesellschaft tatsächlich häufiger auftritt, oder ob die gestiegene Aufmerksamkeit dazu führt, dass die Krankheit häufiger diagnostiziert wird.

Anorexia Nervosa kommt überwiegend in den westlichen Überflussgesellschaften vor, weshalb als Ursache in erster Linie gesellschaftliche Faktoren gelten (Schönheitsideal).

Wörtlich übersetzt bedeutet Anorexie Appetitverlust oder Appetitverminderung – eine irreführende Bezeichnung, da nicht unbedingt der Appetit, sondern in erster Linie das Essverhalten “gestört” ist. Der Zusatz “Nervosa” weist auf die psychischen Ursachen der Essstörung hin.

Die Unterscheidung der Anorexie von der anderen bekannten Essstörung, der Bulimie, ist im Einzelfall oft schwierig. Zwar sind beide Krankheitsbilder jeweils durch typische Merkmale gekennzeichnet (die Anorexie durch starken Gewichtsverlust, die Bulimie durch das Auftreten von Essanfällen und Maßnahmen zur Gewichtsreduktion z.B. Erbrechen), der Übergang ist jedoch fließend. Bei vielen Patientinnen tritt eine Mischung von Symptomen auf, man spricht dann von einer Bulimanorexie.

Beschreibung nach ICD-10

F50.0 Anorexia nervosa

Die Anorexia ist durch einen absichtlich selbst herbeigeführten oder aufrechterhaltenen Gewichtsverlust charakterisiert. Am häufigsten ist die Störung bei heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen; heranwachsende Jungen und junge Männer, Kinder vor der Pubertät und Frauen bis zur Menopause können ebenfalls betroffen sein. Die Krankheit ist mit einer spezifischen Psychopathologie verbunden, wobei die Angst vor einem dicken Körper und einer schlaffen Körperform als eine tiefverwurzelte überwertige Idee besteht und die Betroffenen eine sehr niedrige Gewichtsschwelle für sich selbst festlegen. Es liegt meist Unterernährung unterschiedlichen Schweregrades vor, die sekundär zu endokrinen und metabolischen Veränderungen und zu körperlichen Funktionsstörungen führt. Zu den Symptomen gehören eingeschränkte Nahrungsauswahl, übertriebene körperliche Aktivitäten, selbstinduziertes Erbrechen und Abführen und der Gebrauch von Appetitzüglern und Diuretika.

F50.1 Atypische Anorexia nervosa

Es handelt sich um Störungen, die einige Kriterien der Anorexia nervosa erfüllen, das gesamte klinische Bild rechtfertigt die Diagnose jedoch nicht.

F50.2 Bulimia nervosa

Ein Syndrom, das durch wiederholte Anfälle von Heißhunger und eine übertriebene Beschäftigung mit der Kontrolle des Körpergewichts charakterisiert ist. Dies führt zu einem Verhaltensmuster von Essanfällen und Erbrechen oder Gebrauch von Abführmitteln. Viele psychische Merkmale dieser Störung ähneln denen der Anorexia nervosa, so die übertriebene Sorge um Körperform und Gewicht. Wiederholtes Erbrechen kann zu Elektrolytstörungen und körperlichen Komplikationen führen. Häufig lässt sich in der Anamnese eine frühere Episode einer Anorexia nervosa mit einem Intervall von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren nachweisen.

(Quelle: WHO ( WORLD HEALTH ORGANIZATION), und Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information. „ICD-10-WHO Version 2019. Kapitel V. Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99)“. dimdi.de, 24. August 2018. https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-who/kode-suche/htmlamtl2019/block-f50-f59.htm.)

Häufigkeit und Verbreitung

Das höchste Erkrankungsrisiko haben junge Frauen zwischen 15 und 25 Jahren. In dieser Gruppe erkranken von 100.000 Frauen zwischen 50 und 75 jedes Jahr. Auf die Gesamtbevölkerung bezogen gibt es jedoch nur 0.1 bis 0,6 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr.

Anorexie beginnt oft schon in der frühen Jugend, häufig kurz nach dem Einsetzen der ersten Menstruation. Neben diesem Erkrankungsgipfel um das 14. Lebensjahr, tritt die Störung auch etwa im 18. Lebensjahr gehäuft auf.

In den letzten zwei Jahrzehnten ist eine Zunahme der Erkrankungshäufigkeit zu beobachten. Erkrankungen nach dem 25. Lebensjahr sind selten, allerdings nimmt die Zahl der Frauen, die ab dem 30. Lebensjahr erkranken zu.

Nur etwa 5 bis 10% der Menschen mit Magersucht sind Männer.

Das Erkrankungsrisiko während des ganzen Lebens (Lebenszeit-Prävalenz) beträgt für Frauen ca. 1 %.

Grundlagen und Ursachen

Biologische Einflüsse

Man vermutet, dass bei vielen anorektischen Patientinnen eine Störung derjenigen Hirnregion vorliegt, die der Steuerung des Essverhaltens, der sexuellen Aktivität und der Menstruation dient. Es ist allerdings auch möglich, dass die Funktionsstörung dieser Hirnregion erst im Laufe der Erkrankung, z.B. als Folge des Gewichtsverlustes, auftritt und zur Aufrechterhaltung der Störung beiträgt, aber nicht ihre eigentliche Ursache ist.

Für eine biologische Verursachung der Magersucht sprechen jedoch Untersuchungen, die zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der eineiige Zwilling einer anorektischen Patientin ebenfalls an Magersucht leidet, etwa 50% beträgt. Bei zweieiigen Zwillingen liegt diese Wahrscheinlichkeit bei unter 10%. Verwandte ersten Grades leiden zu 5% ebenfalls an Magersucht. Diese Ergebnisse zeigen, dass eine genetische Veranlagung an der Entstehung der Anorexie wahrscheinlich beteiligt ist.

Eine sehr neue Studie von 20191 konnte 8 Gene identifizieren, die mit Magersucht in Zusammenhang stehen. Erstaunlich war, dass darunter auch Gene waren, die man ansonsten mit Angststörungen, Depressionen aber auch mit Stoffwechselstörungen in Verbindung bringt. Folgerungen daraus haben sich noch keine ergeben, doch ist dies ein Hinweis darauf, dass Psychotherapien alleine nicht genügen könnten.

Psychische Einflüsse

Die Tatsache, dass Anorexie besonders häufig während der schwierigen Entwicklungsphase der Pubertät beginnt, hat zu der Ansicht geführt, dass die Erkrankung auftritt, wenn die junge Frau sich von der Bewältigung der alterstypischen Anforderungen überfordert fühlt. Während der Pubertät entwickelt sich das Mädchen zur Frau und muss mit vielen Veränderungen kämpfen. Fühlt sich die Betroffene davon überfordert, entsteht ein tiefes Gefühl der Unsicherheit. Für viele Patientinnen scheint der Versuch, Kontrolle über ihr Körpergewicht ausüben zu können, ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Das Körpergewicht wird eine wichtige Quelle für ihr Selbstwertgefühl.

Familiäre Einflüsse

In den Familien anorektischer Patientinnen sind häufig bestimmte Verhaltensmuster festgestellt worden. Die Patientinnen werden oft von ihren Eltern stark behütet, d.h. dass auch in der Familie nicht angemessen auf die Entwicklung des Kindes zur Frau reagiert wird. Ebenso scheinen Konflikte in der Familie in vielen Fällen nicht angesprochen zu werden. Allerdings handelt es sich bei diesen Feststellungen um reine Beschreibungen typischer familiärer Verhaltensmuster; es ist durchaus möglich. dass diese nicht die Ursache, sondern die Folge der Erkrankung sind. Das Krankheitsbild der Anorexie ist gerade für die Eltern sehr besorgniserregend, was dazu führen kann, dass sie ihr Kind schützen und von Konflikten fernhalten möchten.

Gesellschaftliche Einflüsse

In westlichen Gesellschaften hat sich das Schönheitsideal seit Anfang der 60er Jahre immer mehr in Richtung eines sehr schlanken Körpers entwickelt. Gleichzeitig entstanden ein Nahrungsüberangebot und immer mehr Fertiggerichte, die gleichzeitig zu einem Anstieg des Durchschnittsgewichts führten. Übergewicht wird insbesondere bei Frauen gesellschaftlich sehr negativ bewertet. Übergewichtige Männer werden als stattlich bezeichnet, Frauen hingegen als fett. Durch Werbung und Filme erhält man den Eindruck, dass nur schlanke Frauen erfolgreich und beliebt sind, dicke Frauen sind entweder graue Mäuse oder “Ulknudeln”. Gerade junge Frauen, die während der Pubertät körperliche Veränderungen durchlaufen und erst ein Gefühl für ihren “neuen” Körper entwickeln müssen, können durch dieses Schlankheitsideal stark verunsichert werden.

Und weil wir gerade dabei sind: Die erste Staffel von Isatiable (Netflix) ist wirklich klasse. Ihr wisst ja, ich liebe Rache-Dramen. Es geht zwar um Bulimie, aber auch um Schönheitsideale.

Sexueller Missbrauch

Ein Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch und Essstörungen wurde zuerst von amerikanischen Autorinnen vermutet. Bis zu 69 Prozent Missbrauchsopfer hatten sie unter essgestörten Patientinnen gefunden. In deutschen Studien bestätigte sich dieser hohe Anteil jedoch nicht. Nach neueren Untersuchungen erhöht das Erleben sexueller Gewalt die Anfälligkeit für psychische Störungen im allgemeinen, aber nicht speziell für die Anorexie oder Bulimie.

Fasten und starke Gewichtsabnahme

Fasten und starke Gewichtsabnahme wirken euphorisierend und spannungsreduzierend. Die hierbei vorhandenen biologischen Mechanismen ähneln denen von Suchterkrankungen. Unter Bezug auf die geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Häufigkeiten der Erkrankungen wird der Essstörung der Frauen gelegentlich der Alkoholismus der Männer gegenübergestellt.

Heranwachsende Mädchen die intensiv eine Diät machen haben ein 18-fach erhöhtes Risiko eine Essstörung zu entwickeln, diejenigen, welche in mäßigem Ausmaß eine Diät machen immerhin noch ein 7-fach erhöhtes Risiko. Da letztere häufiger sind, sind sie auch für ungefähr 2/3 der Essstörungen ursächlich.

Dass junge Männer seltener erkranken hängt also auch damit zusammen, dass sie seltener Diäten machen und auch in der Pubertät und danach seltener psychiatrische Auffälligkeiten aufweisen.

Psychiatrische Auffälligkeiten

Psychiatrische Auffälligkeiten bei Mädchen und jungen Frauen führen zu einem 7-fach erhöhten Risiko eine Essstörung zu entwickeln. Was vielleicht nicht weiter verwundbar ist, nimmt man die Ergebnisse von Watson et al. (erwähnt unter: Biologische Einflüsse auf Seite 6) hinzu, die zeigen dass bei Magersucht auch Gene eine Rolle spielen, die man sonst mit Depressionen und Angststörungen in Verbindung bringt.

Da Magersucht immer ein Gefühl der Kontrollierbarkeit vermittelt, “Ich allein kontrolliere meinen Körper und sonst nichts!” könnte Magersucht helfen ein Gefühl von Sicherheit herzustellen und somit gegen Ängste wirken. Da Hungern auch Glückshormone ausschüttet (siehe oben), mindert es evtl. Depressionen.

Tod

Die neuesten Zahlen, die ich fand, stammen von 2016. ich zitiere von der Website Psylex2:

“Die Forscher stellten in der Zeitschrift International Journal of Eating Disorders folgende standardisierten Sterblichkeitsquotienten fest:

  • 5,35 (d.h. eine Erhöhung um 535% der Sterblichkeit) bei Magersucht (AN),
  • 1,49 bei Ess-Brech-Störung (BN),
  • 1,50 bei BEt und
  • 2,39 bzw. 1,70 für eng bzw. weit definierte ES.”

Diese Zahlen bedeuten: Wer Magersucht hat, hat ein um 5,35-fach erhöhtes Risiko, nicht an Altersschwäche zu sterben.

Abkürzungen:

  • AN = Anorexia Nervosa (Magersucht)
  • BN = Bulimie (Ess-Brech-Sucht)
  • BEt = Binge-Eating (Esssucht ohne Erbrechen)
  • ES = Andere Essstörungen

Oder absolut ausgedrückt:

“Die Metaanalyse ergab, dass pro 1.000 Personen/Jahr 5,1 Todesfälle unter den Anorexie-Patienten auftraten, (1,3 davon waren Selbstmord), 1,7 Todesfälle unter Bulimie-Patienten und 3,3 Todesfälle unter Patienten mit anderen Essstörungen. (Eine Metaanalyse legt statistische Daten von verschiedenen Studien, die ähnliche Fragen untersuchen, zusammen und analysiert sie.)”3

Die tatsächliche Sterberate liegt also inzwischen bei 0,5% (5 von 1000) bei Magersucht und 0,2% bei Bulimie. Ältere Zahlen sprachen von einer Sterblichkeit von 10% (so stand es noch in meinem Skript von 2003). Die Situation hat sich also deutlich verbessert, vielleicht weil man heute doch aufgeklärter gegenüber dem Problem ist.

Symptomatik

Zusammenfassung

Im Mittelpunkt des Krankheitsbildes steht die Störung des Essverhaltens:

  • Weglassen von Mahlzeiten, rigides Diätverhalten bis hin zur Nulldiät.
  • Unterdrückung des Hungergefühls mittels Trinken großer kalorienarmer Flüssigkeitsmengen, u.a. Kaffee,
  • die Gewichtsabnahme wird zusätzlich durch Einnahme von Abführmitteln (Laxantienabusus), Diuretica etc. oder Erbrechen herbeigeführt,
  • die Patientinnen treiben oft exzessiv Sport.

Magersüchtige haben durch extremes Hungern deutliches Untergewicht, oft liegt ihr Gewicht 25 % oder mehr unter dem Normalgewicht (BMI <17,5). Sie hungern bis zur völligen Auszehrung (Kachexie), was nicht nur in der skelettartigen Erscheinung der Erkrankten sichtbar wird, sondern auch weitere, schwere gesundheitliche Komplikationen zur Folge haben kann. In besonders schweren Fällen kann die Magersucht mit dem Tod enden.

Von einer Magersucht spricht man, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, dazu gehören:

  • eine intensive Angst zuzunehmen, selbst wenn bereits Untergewicht besteht;
  • eine Störung der Wahrnehmung von Gewicht, Maßen und Gestalt des eigenen Körpers: die Betroffenen fühlen sich immer noch “zu fett”, auch wenn ihnen das Untergewicht deutlich anzusehen ist;
  • das Ausbleiben von mindestens drei zu erwartenden Menstruationszyklen (bleibt die Menstruation ganz aus bzw. setzt nur nach Hormongabe ein. so spricht man von Amenorrhoe).

Bei Magersüchtigen ist oft eine extreme Leistungsorientiertheit zu bemerken. Ihre Fähigkeit zu intensiveren Kontakten und emotionalem Austausch ist eingeschränkt, sie leben meist in sozialer Isolation. Das Verlangen nach Sexualität ist gering oder sogar mit Angst besetzt.

Die Symptomatik im Einzelnen

Körperschema-Störung:

Bei anorektischen Patientinnen kommt es zu einer Störung der Wahrnehmung des eigenen Körpers. Auch wenn sie im Laufe der Erkrankung schon extrem viel Gewicht verloren haben, überschätzen sie ihren Körperumfang und halten sich für zu dick.

Verändertes Essverhalten:

Infolge der verzerrten Wahrnehmung des eigenen Körpers, bemühen die Betroffenen sich, ihr vermeintlich zu hohes Gewicht zu reduzieren. Zu diesem Zweck nehmen sie nur geringe Mengen an Nahrung zu sich und vermeiden Lebensmittel, die viele Kalorien enthalten. Manche Patientinnen verweigern zeitweise die Nahrungsaufnahme komplett. Häufig nimmt das Essen einen zentralen Stellenwert im Leben der Betroffenen ein. Sie verwenden viel Energie darauf. Hungergefühle zu unterdrücken oder bereiten mit großem Eifer wahre Festmahle für andere zu, an denen sie aber selbst nicht teilnehmen.

In Hinblick auf die Veränderungen des Essverhaltens lassen sich zwei Gruppen von anorektischen Patientinnen unterscheiden:

  • Etwa 50% der Patientinnen halten ausschließlich Diät.
  • Bei den anderen treten aber auch bulimische Symptome (Essanfalle und selbst herbeigeführtes Erbrechen) auf.

Bei Betroffenen, die zu der letzteren Gruppe gehören, beginnt die Störung meist später, sie haben vor der Erkrankung ein höheres Gewicht, die Körperschema-Störung ist meist stärker ausgeprägt und sie sind häufig depressiver als Patientinnen mit einer rein anorektischen Symptomatik.

Gewichtsverlust:

Neben der strengen Diät setzen viele Anorektikerinnen zusätzlich Appetitzügler. Abführmittel und sportliche Betätigung ein, um abzunehmen. Durchschnittlich verlieren anorektische Patientinnen 45-50% ihres Ausgangsgewichts. Liegt das Körpergewicht um mindestens 15% niedriger als das Normalgewicht, wird die Diagnose der Anorexie gestellt. Viele Patientinnen magern bis auf 30 Kilogramm ab.

Körperliche Veränderungen:

Durch den Gewichtsverlusts und die Mangelernährung kann es zu schwerwiegenden körperlichen Schäden kommen.

  • Aufgrund von hormonellen Störungen bleibt die Menstruation meist aus.
  • Bei Beginn der Störung vor der Pubertät wird die körperliche Entwicklung meist stark verzögert.
  • Es bilden sich starke Stoffwechselstörungen und Störungen im Elektrolythaushalt.
  • Der Mineralstoffhaushalt ist in der Regel gestört.
  • Durch die schlechte Versorgung mit Sauerstoff verfärben sich z. B. Finger und Hände, Füße und Zehen, die Nase und das Kinn charakteristisch blau-rot.
  • Viele leiden unter chronischer Verstopfung
  • Verlangsamung des Herzschlags,
  • niedriger Blutdruck,
  • Absinken der Körpertemperatur,
  • Hautprobleme,
  • flaumartige Behaarung des Rückens,
  • Muskelschwäche,
  • Haarausfall und Wassereinlagerung im Gewebe

Diese körperlichen Befunde werden durch die Mangelernährung verursacht und verschwinden meist vollständig, wenn sich das Essverhalten langfristig normalisiert hat. Durch die konstante Mangelernährung wird der Energieverbrauch herabgesetzt. Infolgedessen führt normale Nahrungsaufnahme unter diesen Umständen kurzfristig zu einer Gewichtszunahme.

Psychische Veränderungen:

Bei anorektischen Patientinnen steht das beharrliche Streben, dünner zu werden im Vordergrund. Verbunden damit besteht eine extreme Angst vor einer Gewichtszunahme. Schon eine Zunahme von wenigen Gramm, die aufgrund des gesenkten Energieverbrauchs ja schon nach recht geringer Nahrungsaufnahme folgen kann, löst regelrechte Panik aus. Das führt zu einem erneuten Versuch, das Essverhalten (noch strenger) zu kontrollieren. Die Patientinnen befinden sich also in einem regelrechten Teufelskreis. Häufig zeigen sich bei den Betroffenen auch depressive Symptome und starke Reizbarkeit.

Therapie

Ziele

Eine Psychotherapie der Anorexie verfolgt folgende Ziele:

  • Normalisierung des körperlichen Zustands (was bei der Anorexia nervosa immer mit einer Gewichtszunahme und -stabilisierung auf einem körperlich vertretbaren Niveau einhergeht).
  • Normalisierung des Essverhaltens sowohl im Hinblick auf Quantität (Nahrungsmenge) als auch Qualität (Zusammensetzung) der Nahrung.
  • Therapeutische Bearbeitung von Denkmustern und Bedingungen, die die Störung aufrechterhalten.
  • Therapeutische Bearbeitung von seelischen Probleme der Erkrankten mit sich selbst und mit anderen (Selbstwertproblematik, Familie, Partnerschaft)
  • Falls notwendig, soziale Wiedereingliederung in den Ausbildungs- und Arbeitsprozess.

Stationäre Behandlung

Bei medizinischen Komplikationen und extrem reduziertem Körpergewicht müssen zunächst lebenserhaltende Maßnahmen bzw. eine Gewichtszunahme veranlasst werden, um den körperlichen Folgeschäden entgegenzuwirken. Wenn das Körpergewicht unter 75% des Normalgewichts liegt, die körperliche Verfassung lebensbedrohlich ist oder aufgrund der depressiven Verstimmung Selbstmordgefahr besteht, sollte die Behandlung zunächst im Krankenhaus stattfinden. Unter Umständen wird zur Abwehr akuter Lebensgefahr eine Zwangsernährung gegen den Willen der Betroffenen notwendig.

Da bei anorektischen Patientinnen oft nur wenig Einsicht hinsichtlich der Schwere ihrer Erkrankung besteht, müssen bei körperlicher Lebensbedrohung oft zunächst Nährstoffe durch Infusion zugeführt werden. So bald wie möglich sollten die Betroffenen die Verantwortung für ihre Gewichtszunahme aber selbst übernehmen.

Medikamentengabe ist im Allgemeinen nicht erforderlich. Wegen des Osteoporoserisikos (“Knochengewebsschwund”) bei Frauen müssen aber Östrogene und Kalziumfluorid ersetzt werden. Andere Medikamente werden je nach den medizinischen Folgekomplikationen eingesetzt. Bei gleichzeitiger Depression können antidepressiv wirkende Medikamente gegeben werden.

Ambulante, psychotherapeutische Behandlung

Psychotherapeutisch werden sowohl tiefenpsychologische (leider) als auch verhaltenstherapeutische Verfahren angewendet. Familientherapie, Entspannungstechniken, Übungen zur Körperwahrnehmung und andere Psychotherapieverfahren gehören ebenfalls zu den Möglichkeiten nichtmedikamentöser Behandlung. Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe beeinflusst ebenfalls den Krankheitsverlauf positiv.

Die Entwicklung der Anorexia Nervosa steht in so engem Zusammenhang mit abnormen Mustern familiärer Interaktion, dass zu einer erfolgreichen Behandlung immer auch die Lösung, der ihr zugrunde liegenden, bzw. der in Folge auftretenden und diese stabilisierenden Familienprobleme gehört und sich eine Familientherapie anbietet. Besonders bei jüngeren Anorektikerinnen, die noch in ihren Herkunftsfamilien leben, wird oft eine Familientherapie durchgeführt.

Da die Ziele der Therapie immer in einer Verhaltensänderung und der Änderung der Denkmuster besteht, bietet sich hier auch eine Verhaltenstherapie an.

Eine psychoanalytische Therapie gilt als nicht geeignet.

Vorschläge und Angaben zur Therapiedurchführung

  • Bei Verdacht auf Anorexia Nervosa sollte ein genaues Protokoll über die Mahlzeiten und Essgewohnheiten erstellt werden.
  • Die Vereinbarung eines Zielgewichts in einem Behandlungsvertrag ist eine gute Voraussetzung4 für eine erfolgreiche Psychotherapie, wobei ein Normalgewicht (z.B. BMI 20 – 25 kg/m2) nicht unbedingt angestrebt wird. Magersüchtige Patientinnen müssen in eine körperliche Situation gebracht werden, die sie gerade noch akzeptieren und mit der sie gleichzeitig relativ ungefährdet leben können.
  • In der Therapie sollen die Patientinnen die Richtigkeit ihrer Vorstellungen zur Bedeutung von Gewicht und Figur überprüfen. So soll z.B. eine Betroffene hinterfragen, ob Schlankheit tatsächlich mit beruflichem und privatem Erfolg im Zusammenhang steht. Hat man auf diesem Weg herausgefunden, was die Patientin sich vom Schlanksein erhofft, kann mit ihr besprochen werden, auf welche andere Weise sie diese Ziele erreichen kann. Sie lernt, dass ihr Selbstwertgefühl nicht allein von ihrem Gewicht abhängt.
  • In der körperorientierten Therapie sollen die Betroffene ein besseres Gefühl für ihren Körper5 bekommen, so dass sie auf ihre Körpersignale (z.B. Hunger) angemessen reagieren und ihren Körperumfang realistisch einschätzen können.
  • Generell soll mit anorektischen Frauen die Bewältigung von Problemen geübt werden. Dabei werden gemeinsam mit der Patientin verschiedene Lösungsalternativen entwickelt, die sie bei alltäglichen Schwierigkeiten anwenden kann, bei denen sie sonst auf ihr gestörtes Essverhalten als Mittel der Bewältigung zurückgegriffen hat.
  • Die familienorientierte Therapie wird insbesondere bei jüngeren Anorektikerinnen eingesetzt, die noch in ihrer Familie wohnen. Dabei soll die Familie darauf hingewiesen werden, wie sie auf das gestörte Essverhalten der Patientin reagiert. In diesem Zusammenhang kann es hilfreich sein, wenn der Therapeut an Mahlzeiten in der Familie teilnimmt. Manchmal beschäftigen die Familienmitglieder sich so stark mit der Anorexie, dass sie sich um andere Probleme nicht mehr kümmern können oder wollen. Die Betroffene erhält auf diese Weise die ungeteilte Aufmerksamkeit, und die Familienmitglieder müssen sich nicht mit sich und ihren eigenen Konflikten beschäftigen. Wird diese Reaktionsweise, die zu der Aufrechterhaltung der Störung beitragen kann, unterbrochen, tritt häufig eine Besserung ein. Gerade die Eltern erleben es meist als sehr erleichternd, wenn sie im Umgang mit der Erkrankung ihres Kindes von einem Therapeuten unterstützt werden.

Wie Angehörige helfen können:

  • Keine enge Kontrolle & Abwertung, sondern Unterstützung
    • … denn am schlimmsten ist die Selbstkontrolle
    • nicht nachspionieren oder ausfragen
    • Problematik ansprechen
    • Unterstützung anbieten
    • Evtl. Familienabend mit Besprechung
    • Familientherapie
  • Grenzen beachten
  • Auch eigene Grenzen
  • konsequent und klar sein
  • Mütter sind meist sehr besorgt, da sie gefühlsmäßig überfordert sind und verletzen leicht Grenzen
  • Nicht nur auf Leistung und Äußerliches achten (v.a. häufig bei Pubertät) – Beziehung vor Leistung
  • Keine Schuldzuweisung
  • Eigene Gefühle ausdrücken, gegenüber den Betroffenen
  • Über andere Probleme reden, die nichts mit dem Essen zu tun haben. Essen prinzipiell nicht problematisieren oder eine besondere Bedeutung geben
  • Keine Rollenverteilung (soweit möglich)
  • Keinen Zeitdruck ausüben, sondern der Betroffenen Zeit lassen, gesund zu werden
  • Selbsthilfegruppen (sind Autonomie fördernd) empfehlen und suchen

Prognose

Nach einer Behandlung zeigt sich bei etwa 30% der Patientinnen eine vollständige Besserung, d.h. sie erreichen zumindest annähernd das Normalgewicht und haben regelmäßig ihre Menstruation.

Bei 35% lässt sich zwar eine Gewichtszunahme feststellen, der Bereich des Normalgewichts wird allerdings nicht erreicht.

Das Krankheitsbild bleibt bei ca. 25% der Betroffenen chronisch bestehen.

Etwa 0,5% sterben infolge der Anorexie.

Auch nach einer Gewichtsnormalisierung hält bei vielen Betroffenen die verzerrte Einstellung zu Gewicht und Figur an. Generell sind die Besserungschancen aussichtsreicher, wenn die Erkrankung früh begonnen hat Bei einem sehr frühen Beginn vor dem 11. Lebensjahr ist die Voraussage dagegen deutlich schlechter.

Anhang

www.nakos.de

Hinter NAKOS verbirgt sich die Nationale Konferenz für Selbsthilfegruppen, eine Art bundesweiter Dachverband aller Selbsthilfegruppen in Deutschland. Ein guter Einstieg für alle Formen der Adresssuche sowie zur Bestellung von schriftlichem Informationsmaterial.

www.essprobleme.de

Selbsthilfe-, Erfahrungs- und Infoseiten zum den Themen Bulimie, Magersucht und Adipositas. Ein Themenschwerpunkt sind zum Beispiel „dicke Kinder”. Regelmäßiger Chat zum Thema Essstörungen.

www.magersucht-online. de

Sehr gute deutschsprachige Seite für Patienten mit Essstörungen. Viele weiterführende Links, Adressensammlungen, Fachartikel. Lohnend!

www.caringonline.com

Sehr umfangreiches englischsprachiges Angebot rund um alle Facetten von Ess-Störungen, geht auch auf therapeutisch problematische Komorbiditäten ein wie Essstörungen und Diabetes oder Osteoporose. Es finden sich wissenschaftliche Beiträge etwa zum Thema Essstörungen und Männer oder Essstörungen bei Sportlern. Zusätzlich sehr umfangreiche Aufstellung wissenschaftlicher und staatlicher Institutionen aus dem angloamerikanischen Sprachraum.

Kliniken

https://www.anad.de/essstoerungen/adressverzeichnis/kliniken

Verzeichnis von Kliniken zur Behandlung von Essstörungen

Mariah’s Schilderung

Peggy Claude-Pierre schildert:

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51au4blJmdL._SX326_BO1,204,203,200_.jpg

„Eine meiner Patientinnen namens Mariah zeichnete während ihres Kampfes mit Anorexie und Bulimie den Bürgerkrieg in ihrem Kopf auf. Sie übte weder Zensur aus noch konnte sie erklären, was sie tat, doch sie fühlte sich unwiderstehlich gezwungen, der Negativen Inneren Stimme zu gehorchen:

6 Uhr. Steh’ auf, du Arschloch, steh’ auf. Du kommst zu spät, wenn du’s nicht tust, und du weißt, dass du nicht losgehen wirst, bevor es getan ist [Sport].

6 Uhr 45. Noch fünfzehn Minuten. Mach schon, du fettes Schwein. Du bist müde??? Du kannst nicht müde sein, ich lasse dich nicht. Wenn du nicht die volle Stunde machst, wirst du heute gar nichts essen. 8 Uhr. Steig’ jetzt aus dem Bus aus, du hast Zeit, die fünf Blocks zusätzlich zu laufen und nicht zu spät zu kommen. Dann verbrennst du die Milch, die du heute morgen in den Kaffee getan hast.

12 Uhr [»Mariah, willst du mit uns essen?«] Scheiße, was jetzt? Denk nach, du Miststück, denk nach! Sag5 einfach nein (»Ich kann nicht, ich habe schon zu oft nein gesagt«). Also dann mach, aber du wirst alles wieder loswerden, was du isst.

12 Uhr 30. (»Thunfisch-Sandwich, bitte.«) Thunfisch! Thunfisch!!! Du verdammte, fette Schlampe. Weißt du nicht, dass da tonnenweise Mayo drauf ist? Du schaffst es doch nicht, auch das letzte bisschen Sauce wieder raus zu bringen. Ich habe gesagt, nur feste Sachen. Keine Sauce. Keine Kombination von verschiedenen Sachen oder so ein Scheiß. Dann weißt du genau, nach was du gucken musst, wenn du kotzt. Abführmittel! Du musst welche besorgen, bevor du wieder an die Arbeit gehst. Drei große Schachteln. (»Ich muss heute Abend ausgehen, und dann wirken sie.«) Hör zu, du Dreckstück, du hast alles vermasselt, weil du Thunfisch genommen hast. Übrigens liegt sowieso niemandem daran, ob du da auftauchst oder nicht.

16 Uhr. Die Abführmittel wirken erst in einer Stunde oder so, der Scheiß hat sich wahrscheinlich schon hübsch auf deinem Arsch abgelagert. Du wirst eine halbe Stunde länger im Fitnessstudio bleiben müssen. 18 Uhr. (»O Mist. Ich komme schon wieder zu spät nach Hause – sie wird mich umbringen – verdammt, sie wird toben vor Wut«) Du verdienst es doch nicht besser, du egoistisches Dreckstück – hinter ihrem Rücken ins Fitnessstudio- zu gehen.

19.30 Uhr. Du hast versprochen, dass gestern das letzte Mal sein sollte. Du elendes Miststück – und bist Scheiße und wirst immer Scheiße sein. Sie haben recht mit ihrer Meinung von dir. Wie hältst du es nur mit dir selber aus? Du machst nie etwas richtig, und du bist ein fetter! fetter! fetter!!! nutzloser, erbärmlich schlechter Ersatz für einen Menschen, Miststück. Ich hasse dich, du Miststück, ich hasse dich. Betrachte dich doch im Spiegel, und dann sag mir, dass ich lüge. Das kannst du nicht, weil du siehst, was ich sehe. Du hast heute nicht mal ein Kilo abgenommen, und das ist nicht gut genug!

Also jetzt mach und werd es los. Mir ist es egal, ob du dir deinen ganzen verdammten Arm in den Schlund rammen musst – du musst es loswerden. Ich scheiße drauf, ob du blutest. Deine ganzen Innereien können dir hochkommen, und du wirst nicht aufhören.

Die Negative Innere Stimme spricht in übler, demütigender Weise mit ihrem Opfer, wohingegen dieses im Allgemeinen sehr auf Anstand achtet und sich niemals so ausdrücken würde. Zu dem Zeitpunkt, an dem die Betroffenen akut erkranken, ist die Negative Innere Stimme so real, dass die meisten »es« in einer körperlich greifbaren Gestalt heraufbeschwören können.“

(aus Claude-Pierre (1998) S. 117/1186

Literatur- und Quellenangaben

Im Text direkt genannt

Archives of General Psychiatry, und Psylex. „Essstörungen: Sterblichkeit / Mortalität“. Psylex, Januar 2016. https://psylex.de/stoerung/essstoerung/sterblichkeit.html.

Claude-Pierre, Peggy. Der Weg zurück ins Leben: Magersucht und Bulimie verstehen und heilen. 3. Aufl. Frankfurt am Main: Krüger, 1999.

„Struwwelpeter“. In Wikipedia, 22. Februar 2020. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Struwwelpeter&oldid=197059189.

Universität München, und Psylex. „Essstörungen: Sterblichkeit / Mortalität ( International Journal of Eating Disorders)“. Psylex, Januar 2016. https://psylex.de/stoerung/essstoerung/sterblichkeit.html.

Watson, Hunna J., Zeynep Yilmaz, Laura M. Thornton, Christopher Hübel, Jonathan R. I. Coleman, Héléna A. Gaspar, Julien Bryois, u. a. „Genome-Wide Association Study Identifies Eight Risk Loci and Implicates Metabo-Psychiatric Origins for Anorexia Nervosa“. Nature Genetics 51, Nr. 8 (August 2019): 1207–14. https://doi.org/10.1038/s41588-019-0439-2.

Sonstige verwendete Literatur

Bruch, Hilde. Der goldene Käfig: das Rätsel der Magersucht. 19. Aufl. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl, 2010.

———. Eßstörungen: zur Psychologie und Therapie von Übergewicht und Magersucht. 9. Aufl., dt. Erstausg. Fischer-Taschenbuch Psychologie 6796. Frankfurt am Main: Fischer, 2004.

Vandereycken, Walter, Rolf Meermann, und Matthias Wengenroth. Magersucht und Bulimie: ein Ratgeber für Betroffene und ihre Angehörigen. 1. Aufl. Aus dem Programm Huber: Psychologie-Sachbuch. Bern: Huber, 2000.

Weber, Gunthard, und Helm Stierlin. In Liebe entzweit: ein systemischer Ansatz zum Verständnis und zur Behandlung der Magersuchtsfamilie. 2. Aufl. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme, Verl. und Verl.-Buchh, 2003.

Bilder

Alle Bilder: (c) Pixabay, von mir überarbeitet, außer dem Bild unter “Tod”, dies stammt aus Wikipedia7, ebenfalls von mir überarbeitet (Zeichnung von Heinrich Hoffmann)

Fußnoten

1Watson u. a., „Genome-Wide Association Study Identifies Eight Risk Loci and Implicates Metabo-Psychiatric Origins for Anorexia Nervosa“.

2Universität München und Psylex, „Essstörungen: Sterblichkeit / Mortalität ( International Journal of Eating Disorders)“.

3Archives of General Psychiatry und Psylex, „Essstörungen: Sterblichkeit / Mortalität“.

4Eine Annäherung an das Zielgewicht dient der Begegnung schwerwiegender körperlicher Folgeerscheinungen, wie zum Beispiel der Osteoporose. Gleichzeitig bietet die angestrebte Normalisierung der endokrinen Funktionen (dazu gehört, dass die Menstruation wieder einsetzt) für die Patientin die Möglichkeit eines Zugangs zu ihrer weiblichen Identität.
Die Erfahrung in der Behandlung von magersüchtigen Patientinnen hat gezeigt, dass die ständige Diskussion über das Körpergewicht die psychotherapeutische Behandlung zunehmend lahmen kann. Insbesondere bei fortschreitender Gewichtsabnahme und der damit verbundenen vitalen Gefährdung wird es zu einem alles beherrschenden Thema, was letztendlich den Behandlungsprozess in Frage stellt. Im Hinblick auf den Autonomie-Abhängigkeitskonflikt vieler junger magersüchtiger Patientinnen besteht der Sinn eines Behandlungsvertrages darin, das Autonomieproblem zu akzeptieren und gleichzeitig therapeutisch anzugehen.

5Anm.: Susanne Vahrenkamp (Psychotherapeutin) empfiehlt anorektischen Patientinnen häufig Tanzen, um ein Gefühl für ihren Körper zu bekommen

6Claude-Pierre, Der Weg zurück ins Leben.

7„Struwwelpeter“.

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