Die Lernkartei

Lernen mit der Lernkartei

Die Karteikarten bekommst du in jeder Schreibwarenhandlung. Eine Lernkartei bekommst du in vielen Geschäften und über das Internet.

Mit der Lernkartei lernst du jeden Tag nur etwa 10 bis 15 Minuten, nicht mehr.

Denke daran: Es ist sinnvoller täglich und kurz zu lernen, als auf einmal sehr viel.

Die Karteikarten werden auf eine der folgenden Arten beschriftet:

  • Auf der Vorderseite steht die Frage und auf der Rückseite die Antwort.
  • Auf der Vorderseite steht z.B. eine englische Vokabel und auf der Rückseite die deutsche Übersetzung,
  • Bzw. eine Rechnung vorne und das Ergebnis hinten.
  • Auf der Vorderseite steht ein Lückentext, und auf der Rückseite steht die Lösung, mit Begründung (nützlich z.B. Bei Grammatikregeln, Kommasetzung, Rechtschreibung, etc.).
  • etc.

Es gibt fast unendlich viele Möglichkeiten. Man kann auch, z.B. für die Fahrprüfung, die jeweilige Frage mit Bild auf die Vorderseite kleben und auf die Rückseite die Antwort – ganz nach Ideenreichtum.

Nimm dir nun die neu beschrifteten Kärtchen und lege sie vor dich hin, so dass dich die Frageseite anblickt (ich werde im Folgenden immer von „Frage“ sprechen, auch wenn es sich dabei um einen Lückentext handelt) und stelle deinen Lernkarteikasten dazu.

Und so lernt man mit einer Lernkartei:

  1. Nimm das erste Kärtchen und lies die Frage.
  2. Jetzt überlege dir die Antwort.
  3. Dann drehst du das Kärtchen um und siehst nach.
  4. War die Antwort falsch? Macht nichts, deswegen hast du ja die Kartei! Stelle Jetzt dieses Kärtchen in das erste Fach deiner Lernkartei, hinter die anderen Karten.
  5. Bearbeite jetzt das zweite Kärtchen. War die Antwort richtig, dann stelle dieses Kärtchen in das zweite Fach deiner Lernkartei. So machst du das mit jedem richtig beantworteten Kärtchen. Richtige Antworten ins zweite Fach, falsche Antworten ins erste Fach. Dabei musst du beachten, dass du die Karte immer hinter die Kärtchen steckst, welche sich bereits in dem jeweiligen Fach befinden.

An jedem Tag bearbeitest du das erste Fach!

Wenn das zweite Fach fast voll Ist, oder nach einem bestimmten Zeitplan, nimmst du die Kärtchen heraus und bearbeitest sie (Frage lesen, beantworten, nachsehen), genau so, wie oben beschrieben. Nur jetzt gilt:

War die Antwort falsch, dann kommt das Kärtchen wieder zurück ins erste Fach, hinter die anderen. War die Antwort richtig, dann ist die Karte ein Fach weiter, im dritten Fach.

Also: Bei „richtig“ wandert das Kärtchen immer ein Fach nach hinten, bei „falsch“ steckst du es wieder in das vorderste Fach, hinter die anderen Kärtchen.

Jeden Tag wird das erste Fach bearbeitet. Alle anderen Fächer nur dann, wenn sie fast voll sind, oder nach einem bestimmten Zeitpunkt. Du kannst z.B. zweite Fach alle 4 Tage zu bearbeiten, das dritte jeden Sonntag, etc.

Die Kärtchen im fünften oder letzten Fach werden, bei richtiger Beantwortung, aus dem Kasten genommen, bei „falsch“ wandern auch sie wieder ins erste Fach.

Lernen mit Karteikärtchen, ohne Lernkartei

Die unterste Zeile auf jedem Antwortkärtchen lässt du frei. Wenn du die Antwort richtig hast, machst du dir ein „+“ (Plus) in die unterste Reihe, hast du sie falsch, machst du dir ein „-“ (Minus). Das machst du bei jedem durchgang. Das kann zum Beispiel so aussehen: + – – + – + +

Wenn du vier Plus „+ + + +“ direkt hintereinander hast, ohne Unterbrechung durch ein Minus „-“, darfst du die Karte für immer weglegen.

Lernen mit einer App

Es gibt inzwischen auch Apps für das Smartphone oder Programme für den Computer, die nach dem Prinzip der Lernkartei funktionieren.

Wie bei einer Lernkartei musst du auch hier alle Kärtchen selbst ausfüllen, was vor allem bei Smartphones nicht selten sehr aufwendig ist und langsam vonstatten geht. Meine Befürchtung ist, dass dabei Frust aufkommen kann und eine Unlust, die dir allgemein das Lernen mit einer Lernkartei vermiesen kann. Es ist nicht leicht sich zu etwas zu motivieren, das derart aufwendig ist.

Kärtchen mit der Hand zu schreiben geht schneller und ist einfacher. Außerdem scheint es so zu sein, dass wir das, was wir mit der Hand und einem Stift schreiben, besser lernen, als das, was wir eintippen. Meine persönliche Vermutung ist, dass wir zum einen das Wort bewusster schreiben und besser darauf achten, keine Rechtschreibfehler zu machen, zum anderen, dass sich auch die Bewegung als Wort einprägt. Doch das ist nur eine Vermutung.

Wir wissen, dass immer, wenn wir zuhören oder lernen, auch der Motorkortex mitarbeitet, also der Bereich des Gehirns, der für die Bewegungen zuständig ist. Manche Menschen bewegen ihren Kiefer, wenn sie zuhören. So, als würden sie selbst sprechen und nicht zuhören. Ich könnte mir vorstellen, dass dies bei geschriebenen Wörtern ähnlich funktioniert.

Hier ein Artikel aus der ZEIT1:

„Außerdem gibt es Studien, die zeigen, dass das Schreiben per Hand Kindern das Lernen erleichtern könnte. Das fängt beim Lesenlernen an: Kinder, die einen Buchstaben per Hand nachmalen, können ihn besser im Gedächtnis behalten als Kinder, die ihn auf einer Tastatur eintippen, zeigte eine Studie an 23 Kindergartenkindern2

Ähnlich verhält es sich beim Fakten-Lernen: In den USA ließen eine Psychologin und ein Psychologe eine Gruppe von 67 Studenten der Princeton University an einer Vorlesung teilnehmen. Die Studentinnen und Studenten durften entweder Notizen mit dem Laptop oder per Hand machen, anschließend wurden die Teilnehmenden getestet. Das Ergebnis: Die, die per Hand geschrieben hatten, schnitten signifikant besser ab. Die Forscher führten das darauf zurück, dass sie das Gehörte bereits stärker verarbeitet und gedeutet hatten als ihre tippenden Kommilitonen.3 „Wenn wir per Hand mitschreiben, hören wir bewusster zu“, sagt auch Marquardt. Die Verbindung von Inhalt und Bewegung hinterlässt eine Art Erinnerungsspur.“

Oder ein anderer Versuch:

„Sehen wir uns dazu die Befunde von Anne Mangen und Kollegen (2015)4 an. Die Wissenschaftler/innen gaben erwachsenen Frauen die Aufgabe, Wörterlisten niederzuschreiben, die ihnen laut über Kopfhörer diktiert wurden. Jede Teilnehmerin schrieb eine Liste von Hand, eine auf einer Laptop-Tastatur und eine auf der Ipad Touch-Tastatur nieder. Die Reihenfolge der Gerätebenutzung wurde per Zufall bestimmt.
Anschließend wurde erhoben, welche Wörter die Testpersonen noch aus dem Gedächtnis frei reproduzieren konnten. Hier erinnerten sich die Versuchspersonen an deutlich mehr Wörter, die sie von Hand geschrieben hatten im Vergleich zu denen, die sie mit der Tastatur (Laptop oder Ipad) abgetippt hatten.“5

Wobei das Smartphone natürlich auch Vorteile hat. So hat man es immer dabei und kann deshalb problemlos auch unterwegs seine Karteikarten durcharbeiten. Auch haben die Apps meist eine Funktion, die dafür sorgt, dass wir plötzlich zu einer Vokabel oder einem anderen Inhalt unserer mobilen Lernkartei befragt werden und diese beantworten müssen, damit der Bildschirm wieder entsperrt wird. Dadurch werden wir zum Lernen gezwungen und müssen uns nicht selbst motivieren.

Doch für mich überwiegen noch die Nachteile, aber vielleicht gibt es irgendwann eine wirklich gute App, die diese nicht mehr hat.

Fußnoten

1„Schreiben“.

2Kiefer u. a., „Handwriting or Typewriting?“

3Mueller und Oppenheimer, „The Pen Is Mightier Than the Keyboard“.

4Mangen u. a., „Handwriting versus Keyboard Writing“.

5„Warum wir auch im Computerzeitalter von Hand schreiben sollten“.

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